Das doppelte Lätzchen

Lätzchen, Essschale, Trinkfläschen und Set auf dem Esstisch

Zwillinge kleckern doppelt

Welche Mutter, welcher Vater kennt das nicht: Es ist Zeit für die nächste Mahlzeit, das Baby quengelt und schreit. Jetzt muss es schnell gehen: Brei zubereiten. Baby in den Hochstuhl setzen. Lätzchen umhängen. Und Brei geduldig, Löffel für Löffel, füttern. Was aus dem Mund läuft, kann nochmals angeboten werden. Was ausgespuckt wird, landet irgendwo – auf dem Baby, aber auch auf dem Tisch, Stuhl oder Fussboden.

Stellen Sie sich nun vor, Sie haben nicht nur ein Baby, sondern Zwillinge und sind alleine zu Hause. Es fällt nicht schwer sich auszumalen, dass Sie sich in einer schwierigeren Situation befinden. Sie können davon ausgehen, dass Sie nach dem Essen doppelte Putzarbeit werden leisten müssen. Wenn Sie meinen Fimmel für Ordnung und Sauberkeit teilen, ist Ihnen bei diesem Gedanke auch zum Schreien zumute. Dann können Sie mich gut verstehen.

Ein Lätzchen für zwei

Komplexe Probleme verlangen nach kreativen Lösungen. Um mir die Mahlzeiten mit Zwillingen zu vereinfachen, habe ich das „doppeltes Lätzchen“ ersonnen: ein extragrosses, wasser- und schmutzabweisendes Tischtuch mit zwei von mir kreisrund ausgeschnittenen Löchern. Dieses streifte ich den in der Wippe liegenden Zwillingen über, so dass nur der Kopf hervorlugte. Alles Essen, alles Trinken landete auf dem Lätzchen und konnte leicht abgewischt werden. Gute Idee, nicht? Fehlanzeige!

Lass den Brei fliegen!

Es handelte sich um einen kurzzeitigen Erfolg, das „doppelte Lätzchen“ kam nur etwa drei Mal zur Anwendung. Das Lätzchen reizte die Haut am Hals und störte die Zwillinge, denn die Hände waren unter dem Lätzchen gefangen und konnten nicht mehr zum Essen eingesetzt werden.

Ich hatte ein ungutes Gefühl. Mir dämmerte, dass das lustvolle Spiel mit dem Essen, d.h. das Anfassen und Kneten der Speisen, einem grundsätzlichen Bedürfnis meiner (und aller) Kinder entsprach.

Also zurück zu Quadrat eins: Die Zwillinge assen fortan wieder mit einem einfachen Lätzchen und kleckerten ausgiebig. Mein Bedürfnis nach Ordnung und Sauberkeit musste hintenanstehen.

Papa muss über sich hinauswachsen

Im Zusammenleben mit Kindern wird mir ein Spiegel vorgehalten und bekomme ich meine Macken und Marotten vor Augen geführt: Ich habe ein Bedürfnis nach Ordnung und Sauberkeit. Ich muss mir aber überlegen, in welchen Situationen ich diesem nachgeben will. Papasein gibt mir Gelegenheit mich zu verändern, über mich hinauszuwachsen. Dafür danke ich meinen Kindern.

Verfasst von

Zwillingsvater. Zwillinge (*2010). Twitterer and Blogger.

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